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Stillen – eine Handvoll Wissen

Alles, was du für den Anfang brauchst. Kurz, klar und ohne Druck.

Stillen ist kein Leistungssport. Es ist ein gemeinsames Lernen – für dich und dein Baby. Hier findest du, was dir dabei hilft.

Das Wichtigste in Kürze

  • Dein Körper ist vorbereitet. Die Milchbildung beginnt schon in der Schwangerschaft.
  • Direkt nach der Geburt bekommt dein Baby das Kolostrum, die erste Milch. Sie schützt sein Immunsystem besonders gut.
  • Im ersten halben Jahr braucht dein Baby nur Muttermilch. Danach kommt Beikost dazu, und du kannst weiterstillen, so lange ihr beide möchtet.
  • 8 bis 12 Mal stillen in 24 Stunden ist normal und wichtig.
  • Du kannst Muttermilch auch von Hand gewinnen. Die Technik ist einfach und macht dich unabhängig.

Dein Körper weiß, was er tut

Stillen ist so etwas wie eine Grundeinstellung deines Körpers. Die Milchbildung startet bereits in der Schwangerschaft, ganz von selbst. Du musst nichts dafür tun.

Direkt nach der Geburt ist das Kolostrum da. Es kommt in kleinen Mengen, aber es ist genau das, was dein Baby jetzt braucht. Kolostrum ist hochkonzentriert und der wirksamste Schutz für das Immunsystem deines Neugeborenen.

In den folgenden Tagen und Wochen verändert sich deine Milch und passt sich immer wieder an die Bedürfnisse deines Kindes an. Auch dir tut das Stillen gut: Die Hormone, die dabei ausgeschüttet werden, fördern Gelassenheit und helfen deinem Körper bei der Erholung.

Der erste Hautkontakt und das erste Stillen

Nach der Geburt kommt dein Baby auf deine nackte Brust. In diesem Haut-zu-Haut-Kontakt passiert etwas Besonderes: Ihr könnt euch in Ruhe kennenlernen. Staunen, fühlen, riechen.

Nach einer kurzen Zeit des Ankommens ist dein Baby bereit für das erste Stillen. Es hat angeborene Reflexe, die ihm helfen, die Brust zu finden. Gib ihm die Zeit, die es braucht.

Häufiges Stillen ist richtig und wichtig

Dein Baby möchte in 24 Stunden 8 bis 12 Mal an die Brust, manchmal auch häufiger. Das ist ganz normal. Häufiges Stillen sorgt für ausreichend Milch und für viel körperliche Nähe.

Woran erkennst du, dass dein Baby Hunger hat?

Dein Baby zeigt dir, wann es soweit ist, lange bevor es weint. Es dreht den Kopf hin und her und sucht, öffnet den Mund, führt die Hand zum Mund oder schmatzt und leckt sich die Lippen. Das sind frühe Hungerzeichen. Wenn dein Baby bereits weint oder stark strampelt, ist das ein spätes Signal. Beruhige es dann erst und stille danach. Mit der Zeit wirst du die Zeichen immer schneller erkennen.

Manchmal möchten Babys auch mehrmals kurz hintereinander an die Brust. Das nennt sich Clusterfeeding und ist völlig normal. Danach kommt oft eine längere Pause.

Einige Neugeborene sind anfangs sehr schläfrig. Dann ist es gut, dein Baby sanft zu wecken und zum Stillen anzulegen. Du kannst es auch wecken, wenn deine Brust spannt.

Mund öffnen
Mund öffnen
Dreht Kopf und sucht
Dreht Kopf und sucht
Vermehrte Bewegungen
Vermehrte Bewegungen
Hand zu Mund
Hand zu Mund
Starke Bewegungen
Starke Bewegungen
Weinen
Weinen

Es gibt frühe und späte Hungerzeichen. Je früher du reagierst, umso leichter ist es für euch beide. Wenn dein Baby schon weint oder strampelt, dann beruhige es erst und füttere es dann. Ein Säugling wird bei Hunger gefüttert – nicht nach der Uhr.

Die zurückgelehnte Stillhaltung

Dein Baby hat angeborene Stillreflexe. In der richtigen Position kann es sich selbstständig zur Brust bewegen und andocken.

So funktioniert es: Lehne dich entspannt zurück, gern in eine von Kissen unterstützte, halb aufrechte Haltung. Dein Baby liegt bäuchlings auf dir und kann Händchen und Füßchen gut abstützen. Du kannst es sehen und bei Bedarf ein wenig helfen.

Diese Position ist besonders gut für die ersten Lebenswochen geeignet. Schon bald werdet ihr ein eingespieltes Team sein und eure eigenen Lieblingspositionen finden.

Illustration der zurückgelehnten Stillhaltung

Muttermilch von Hand gewinnen

Muttermilch lässt sich auch ohne Pumpe gewinnen. Die Handgewinnung ist praktisch, leicht zu lernen und macht dich unabhängig von Strom und technischen Hilfsmitteln.

So gehst du vor:

Wasche dir zuerst die Hände. Du kannst die Brust kurz massieren, wenn du möchtest. Lege dann deinen Daumen oberhalb und den Zeigefinger unterhalb der Brust, etwa zwei Finger breit von der Brustwarze entfernt, sodass sie sich genau gegenüberliegen und mit der Brustwarze eine Linie bilden.

Drücke die Finger zum Körper, ohne sie zu spreizen. Führe sie dann zusammen, vom Körper weg, ohne sie auf der Haut zu verschieben. Das Gewebe wird dabei mitgenommen. Löse den Druck und wiederhole den Ablauf rhythmisch.

Sobald der Milchfluss einsetzt, fange die Milch auf. Wenn der Fluss nachlässt, setze Daumen und Finger an einer neuen Stelle an und beginne von vorn. So wanderst du um die Brustwarze herum, bis du alle Bereiche erfasst hast. Alle Bewegungen sollten sanft sein. Es soll nicht wehtun.

In den ersten Tagen kannst du auf diese Weise auch zusätzliches Kolostrum gewinnen und es mit einer kleinen Spritze oder einem Löffel auffangen und deinem Baby geben.

Flitterwochen mit deinem Baby

Zuhause beginnt eine besondere Zeit. Im Hautkontakt mit dir und deinem Partner oder deiner Partnerin fühlt dein Baby sich geborgen. Ihr könnt euch in Ruhe kennenlernen und als Familie ankommen.

Wenn dein Baby immer nah bei dir ist, erkennst du seine kleinen Stillzeichen schnell und kannst darauf eingehen. So spielt sich das Stillen gut ein.

Nach einem Kaiserschnitt kannst du genauso gut stillen wie nach einer vaginalen Geburt. Nutze die zurückgelehnte Stillhaltung und lege dein Baby schräg auf deinen Bauch, sodass die Füßchen zur Seite zeigen. Oder lege dir ein Kissen vor die Naht.

Die WHO-Empfehlung

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, 6 Monate ausschließlich zu stillen. In dieser Zeit braucht dein Kind keine andere Nahrung oder Flüssigkeit. Ab dem 7. Monat führst du in Ruhe Beikost ein und stillst dabei weiter, bis zum Alter von 2 Jahren oder darüber hinaus. Ganz so, wie du und dein Kind es möchtet.