Zum Hauptinhalt springen

Babyschlaf – eine Mütze voll Wissen

Wie dein Baby sicher schläft, was normal ist und warum du dir weniger Sorgen machen darfst, als du denkst.

Babyschlaf ist eines der Themen, zu denen es die meisten Meinungen gibt. Hier findest du das, was wirklich zählt: verlässliches Wissen, ruhig erklärt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Neugeborene schlafen 14 bis 18 Stunden am Tag, aber nicht am Stück. Häufiges Aufwachen ist normal und gesund.
  • Mehrere Nachtmahlzeiten sind wichtig, ob an der Brust oder mit der Flasche. Dein Baby braucht die Energie für sein wachsendes Gehirn.
  • Rückenlage, feste Matratze und eine rauchfreie Umgebung sind die wichtigsten Regeln für sicheren Schlaf.
  • Dein Baby schläft am sichersten in deiner Nähe: im eigenen Bettchen in eurem Zimmer, im Beistellbett oder im Familienbett.
  • Babys zeigen Müdigkeit und Hunger durch klare Zeichen. Je früher du darauf reagierst, desto leichter wird es für euch beide.

Was ist normal?

Neugeborene schlafen meist 14 bis 18 Stunden am Tag, manche weniger, manche mehr. Jedes Baby hat sein eigenes Schlafbedürfnis.

Die meisten Babys wachen regelmäßig auf, weil ihr Gehirn aktiv lernt und wächst. Das häufige Aufwachen ist kein Problem, es schützt sie sogar und trainiert lebenswichtige Funktionen.

Manche Babys schlafen schon nach wenigen Wochen längere Phasen. Andere wachen noch mit 18 oder mehr Monaten regelmäßig auf. Beides ist gesund. Es gibt keinen Zeitpunkt, an dem ein Baby „endlich durchschlafen muss".

Warum Babys nachts Nahrung brauchen

Der Magen deines Babys ist winzig, aber sein Gehirn braucht enorm viel Energie. Muttermilch ist leicht verdaulich, deshalb hat dein Baby relativ schnell wieder Hunger. Mehrere Nachtmahlzeiten sind ganz normal und wichtig für die Entwicklung, ob an der Brust oder mit der Flasche.

Sicher schlafen

In Deutschland sterben nur extrem wenige Babys am plötzlichen Kindstod. Das Risiko lässt sich durch einfache Maßnahmen wie Stillen, Nichtrauchen und Schlafen in Rückenlage noch weiter senken.

Für sicheren Schlaf gelten ein paar Grundregeln, egal wo dein Baby schläft:

  • Dein Baby liegt auf dem Rücken
  • Auf einer festen Matratze
  • Ohne schweres Bettzeug, Kissen oder Kuscheltiere
  • Die Umgebung ist rauchfrei
  • Keine Geschwister und keine Haustiere liegen neben dem Baby
  • Der Raum ist nicht zu warm
  • Zieh dein Baby nicht wärmer an, als du selbst im Bett gekleidet bist

Wo schläft dein Baby am besten?

Dein Baby schläft am sichersten in deiner Nähe. Babys, die regelmäßig im geschützten Elternbett schlafen, schlafen dort sicher.

Im Familienbett ist es besonders wichtig, dass niemand Alkohol, Drogen oder Medikamente zu sich genommen hat, die schläfrig machen. Frühgeborene oder Babys mit sehr geringem Gewicht sollten immer in einem eigenen Bett schlafen.

Sichere Schlaforte

  • Eigenes Bettchen in eurem Schlafzimmer
  • Beistellbett – dein Baby ist nah bei dir und du kannst es nachts leicht stillen und beruhigen
  • Familienbett – wenn niemand Alkohol, Drogen oder schläfrig machende Medikamente eingenommen hat
  • Kuschelkringel in Seitenlage – gerade gestillte Kinder schlafen gern von Mamas Arm umfasst

Unsichere Schlaforte

  • Sofas und Sessel – Babys können in weiche Polster und Ritzen einsinken
  • Kinderwagenaufsätze und Tragetaschen – nicht für längeren Schlaf gedacht
  • Allein im eigenen Zimmer – gerade im ersten Halbjahr unsicher
Sicheres Schlafen im Familienbett

Dein Baby zeigt dir, was es braucht

Müdigkeitszeichen

Babys zeigen ihre Müdigkeit lange bevor sie weinen. Dein Baby reibt sich die Augen, zupft an den Ohrläppchen, wendet den Blick ab oder fängt an zu jammern. Wenn du auf diese frühen Zeichen reagierst, wird das Einschlafen für euch beide leichter.

Hungerzeichen

Genauso gibt es frühe und späte Hungerzeichen. Dein Baby öffnet den Mund, dreht den Kopf suchend hin und her, bewegt sich vermehrt oder führt die Hand zum Mund. Je früher du darauf eingehst, desto entspannter ist es für euch beide. Ein Säugling wird bei Hunger gefüttert, nicht nach der Uhr.

Müdigkeitszeichen erkennen

Augen reiben
Augen reiben
An den Ohrläppchen zupfen
An den Ohrläppchen zupfen
Blick abwenden
Blick abwenden
Jammern
Jammern

Babys zeigen ihre Müdigkeit lange, bevor sie zu weinen beginnen. Wer auf diese Signale frühzeitig reagiert, macht es sich und dem Kind leichter.

Hungerzeichen erkennen

Mund öffnen
Mund öffnen
Dreht Kopf und sucht
Dreht Kopf und sucht
Vermehrte Bewegungen
Vermehrte Bewegungen
Hand zu Mund
Hand zu Mund
Starke Bewegungen
Starke Bewegungen
Weinen
Weinen

Es gibt frühe und späte Hungerzeichen. Je früher du reagierst, umso leichter ist es für euch beide. Wenn dein Baby schon weint oder strampelt, dann beruhige es erst und füttere es dann. Ein Säugling wird bei Hunger gefüttert – nicht nach der Uhr.

Dein Baby beruhigen

Babys entspannen am besten durch Nähe. Manche kommen durch Bewegung zur Ruhe, andere durch sanfte Geräusche oder deinen Herzschlag.

Probiere aus, was für euch funktioniert: Tragen, Wiegen, langes Ausatmen, Summen, Spazierengehen bis dein Baby einschläft, leise Tätigkeiten mit dem Baby in der Trage, oder weißes Rauschen. Wenn du etwas gefunden hast, bleib erstmal dabei. Beständigkeit und Geduld helfen nachweislich mehr als jedes Training.

Die 4-7-8-Atemtechnik

Wenn du selbst zur Ruhe kommen möchtest: Atme 4 Sekunden ein, halte den Atem 7 Sekunden und atme 8 Sekunden aus. Wiederhole das viermal. Dein Herzschlag wird ruhiger, und dein Baby spürt diese Ruhe.

Routinen und unruhige Nächte

Je weniger gestresst ihr seid, desto besser schläft euer Baby. Überlegt euch an anstrengenden Tagen, welche Aufgaben wegfallen können und was wirklich erledigt werden muss. Gerade gegen Abend hilft es, das Tempo rauszunehmen.

Hilfreich

  • Baden
  • Wickeln
  • Stillen oder Füttern
  • Eine sanfte Massage
  • Vorlesen
  • Kuscheln
  • Tragen

Weniger hilfreich

  • Laute Umgebungen
  • Aufregung
  • Bildschirmzeit
  • Wenn das Baby allein ist

Manchmal heißt es, Babys hätten feste Phasen, in denen sie schlechter schlafen. Dafür gibt es keine Belege. Schlafschwierigkeiten treten oft auf, wenn dein Baby etwas Neues gelernt hat, einen Zahn bekommt oder krank ist. Jedes Baby entwickelt sich in seinem eigenen Rhythmus. Unruhigere Nächte bedeuten, dass dein Baby sich gerade entwickelt. Jetzt braucht es dich einfach mehr.

Und ihr Eltern?

Die ersten Jahre sind wunderschön und anstrengend. Ihr schlaft weniger, müsst euch neu organisieren und vieles loslassen. Achtet aufeinander, denn gerade die Mutter braucht Pausen. Teilt die Arbeit auf und nehmt auch Hilfe von außen an.

Menschen haben ihre Kinder seit jeher in der Gemeinschaft großgezogen. Es ist ganz normal, sich Unterstützung zu holen: Jemand hilft im Haushalt oder kocht für euch, jemand passt für eine Weile auf das Baby auf. Gerade als Mutter brauchst du Entlastung. Das ist keine Schwäche, sondern gesunder Menschenverstand.

Diese Broschüre entstand in Zusammenarbeit mit erfahrenen Expertinnen und der Bildungsinitiative artgerecht.

artgerecht Logo

artgerecht ist eine international anerkannte Bildungsinitiative, die zeigt, wie Menschen jeden Alters im Einklang mit ihren natürlichen Bedürfnissen leben können. Die artgerecht-Unternehmensgruppe vereint evidenzbasierte Forschung, Praxis und 15 Jahre Erfahrung in Elternkursen, Coaching-Camps & Fachfortbildungen. Wir verändern die Welt – Baby für Baby. www.artgerecht-projekt.de

Redaktion: Nicola Schmidt, Vera Hesels, Prof. Dr. Alfred Längler, Dr. Herbert Renz-Polster, Aleyd von Gartzen